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<title>Spontansprache</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Spontansprache</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>In vielen Bereichen der <a href="Sprachwissenschaft" title="Sprachwissenschaft">Sprachwissenschaften</a> und der <a href="Sprechwissenschaft" title="Sprechwissenschaft">Sprechwissenschaft</a> wird <b>Spontansprache</b> als Bezeichnung für einen Untersuchungsgegenstand verstanden. Im Zentrum dieser Untersuchungen steht die <a href="Gesprochene_Sprache" title="Gesprochene Sprache">gesprochene Sprache</a>, wie sie im Alltag verwendet wird.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Begriffsdefinition">Begriffsdefinition</h2></div>
<p>Unter Spontansprache versteht man frei formuliertes, unvorbereitetes Sprechen im Alltag. Gemeint ist der freie <a href="Redeflussst%C3%B6rung" class="mw-redirect" title="Redeflussstörung">Redefluss</a>, der entsteht, wenn Menschen miteinander mündlich in Verbindung treten, ohne sich den Redeinhalt davor zurechtgelegt oder notiert zu haben bzw. ihn von einer schriftlichen Unterlage ab-/vorzulesen. Gedankengänge werden laufend in Sprache umgesetzt.
</p><p>Sehr häufig entstehen dabei auch ungrammatische Sätze. Spontansprache enthält sowohl abgebrochene Sätze, als auch Einschübe oder Selbstkorrekturen. Auch nicht bedeutungstragende Äußerungselemente wie Räuspern oder Lautäußerungen wie zum Beispiel „ähm“ sind Bestandteile der Spontansprache. Diese natürlich gesprochene Sprache stellt sich in dialoghaften Situationen, also face-to-face, ein oder tritt als <a href="Monolog" title="Monolog">Monolog</a> oder Gruppengespräch auf. Sie kann themen- oder aufgabenbezogen sein, ist sonst aber an keine Restriktionen gebunden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Spontansprache_in_verschiedenen_Disziplinen_der_Sprachwissenschaft">Spontansprache in verschiedenen Disziplinen der Sprachwissenschaft</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Phonetik">Phonetik</h3></div>
<p>In der <a href="Phonetik" title="Phonetik">Phonetik</a> untersucht man Spontansprache beispielsweise hinsichtlich artikulatorischer, <a href="Prosodisch" class="mw-redirect" title="Prosodisch">prosodischer</a> und <a href="Nonverbal" class="mw-redirect" title="Nonverbal">nonverbaler</a> Elemente, die als <i>Häsitationen</i> bezeichnet werden. Gemeint sind Artikulationen, die den flüssigen Redestrom unterbrechen (ah, ahm, hm, br, pf etc.), Lachen, Räuspern, verzögernde Dehnung oder Pausen.
</p><p>Ein Beispiel für Forschung in diesem Bereich ist das Forschungsprojekt „Lautmuster deutscher Spontansprache“<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> an der <a href="Universit%C3%A4t_Kiel" class="mw-redirect" title="Universität Kiel">Universität Kiel</a>. Spontansprache wird in derlei Untersuchungen der Lesesprache gegenübergestellt.
</p><p>Auch die <a href="Forensisch" class="mw-redirect" title="Forensisch">forensische</a> Phonetik analysiert phonetische Merkmale von Spontansprache, wenn sie zum Beispiel Stimmenvergleiche aufgrund von Grundfrequenzanalysen durchführt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Klinische_Linguistik">Klinische Linguistik</h3></div>
<div class="sieheauch" role="navigation" style="font-style:italic;"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: <a href="Klinische_Linguistik" title="Klinische Linguistik">Klinische Linguistik</a></div>
<p>Beispiel Aphasiediagnostik: Der <a href="Aachener_Aphasie_Test" class="mw-redirect" title="Aachener Aphasie Test">Aachener Aphasie Test</a> (AAT) besteht aus sechs Untertests, der erste davon untersucht die Spontansprache. Bewertet werden Kommunikationsverhalten, Artikulation und Prosodie, Automatismen, <a href="Semantik" title="Semantik">Semantik</a>, <a href="Phonematik" title="Phonematik">Phonematik</a> und <a href="Syntax" title="Syntax">Syntax</a> <br>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Psycholinguistik">Psycholinguistik</h3></div>
<p>Die <a href="Psycholinguistik" title="Psycholinguistik">Psycholinguistik</a> untersucht Sprachverarbeitungsprozesse und Sprachbewusstheit. Erstere finden auf mehreren Ebenen statt wie der <a href="Phonem" title="Phonem">Phonem</a>-<a href="Graphem" title="Graphem">Graphem</a>-Ebene, der Wort- und der Satzebene. Zweitere meint die Fähigkeit, Sprache reflektieren zu können.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Gesprächsanalyse"><span id="Gespr.C3.A4chsanalyse"></span>Gesprächsanalyse</h3></div>
<p>Die Analyse <a href="Gespr%C3%A4chsanalyse" title="Gesprächsanalyse">gesprochener</a> Sprache zeigt unterschiedliche Einflüsse auf. Beispielsweise kann Schriftsprache auf sie einwirken, sodass ein Sprechstil entwickelt wird, der „druckreif“ oder „papierern“ anmutet. Spontansprache beeinflusst umgekehrt aber auch Formen von schriftlicher Kommunikation wie zum Beispiel E-Mail oder Chat. Gesprächsanalysen erbringen im Übrigen auch Erkenntnisse über die Entwicklung des Sprachverständnisses.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Computerlinguistik">Computerlinguistik</h3></div>
<p>zum Beispiel Spracherkennung, Übersetzungen etc.
</p>
<ul><li>Beispiel 1: Die „Tübinger Baumbank“<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> des Deutschen / Spontansprache (TüBa-D/S) ist ein syntaktisch annotiertes <a href="Textkorpus" title="Textkorpus">Korpus</a> auf der Grundlage von spontansprachlichen Dialogen, die manuell transliteriert wurden. Sie umfasst ca. 38.000 Sätze bzw. 360.000 Wörter. Die Annotation erfolgte von Hand.</li>
<li>Beispiel 2: Institut für deutsche Sprache und Linguistik, Lehrstuhl für <a href="Computerlinguistik" title="Computerlinguistik">Computerlinguistik</a>. Jürgen Kunze, Computerlinguistik II – erster Teil: Erkennung und Synthese gesprochener Sprache (speech). Auf der Webseite der Universität Berlin gibt es dazu ein Vorlesungsskript<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Spontansprache_in_der_Medizin_(Phoniatrie)"><span id="Spontansprache_in_der_Medizin_.28Phoniatrie.29"></span>Spontansprache in der Medizin (Phoniatrie)</h2></div>
<p>Die Spontansprache stellt ein besonderes Problem bei sog. <a href="Redeflussst%C3%B6rung" class="mw-redirect" title="Redeflussstörung">Redeflussstörungen</a>, insbesondere dem <a href="Poltern_(Sprechst%C3%B6rung)" title="Poltern (Sprechstörung)">Poltern</a>, dar. Derartige <a href="Sprechst%C3%B6rung" title="Sprechstörung">Sprechstörungen</a>, die die <a href="Phoniatrie" title="Phoniatrie">Spontansprache</a> aktut betreffen und erschweren, werden im Rahmen einer <a href="Logop%C3%A4die" title="Logopädie">logopädischen</a> Therapie behandelt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Richard_J._Brunner" title="Richard J. Brunner">Richard J. Brunner</a>: <i>Untersuchungen zur linguistischen Struktur der Spontansprache bei Aphasikern und anderen Patienten mit definierten Hirnläsionen vor dem Hintergrund der historischen Zusammenhänge der Aphasieforschung</i>, Universität Ulm 1989</li>
<li>Sadaoki Furui: <i>Perspectives of Spontaneous Speech Recognition and Understanding</i>. In: Gerd Willée, Bernhard Schröder, Hans-Christian Schmitz (Hrsg.): <i>Computerlinguistik. Was geht, was kommt?</i> = <i>Computational linguistics. Achievements and Perspectives. Festschrift für Winfried Lenders</i>. Gardez!-Verlag, St. Augustin 2002, ISBN 3-89796-094-X, (<i>Sprachwissenschaft, Computerlinguistik und neue Medien</i> 4), S. 64–69.</li>
<li>Benno Peters: <i>Individuelle und geschlechtsspezifische Unterschiede in der prosodischen Gestaltung deutscher Lese- und Spontansprache</i>. In: <a href="Horst_Dieter_Schlosser" title="Horst Dieter Schlosser">Horst Dieter Schlosser</a> (Hrsg.): <i>Sprache und Kultur</i>. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2000, ISBN 3-631-37051-2, (<i>Forum angewandte Linguistik</i> 38), S. 153–162.</li>
<li>Barbara Resch: <i>Data driven pronunciation modeling for large vocabulary spontaneous speech recognition</i>. Graz 2002, (Graz, Techn. Univ., Dipl.-Arb., 2002).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Spontansprache" class="extiw external" title="wikt:Spontansprache">Wiktionary: Spontansprache</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelbelege">Einzelbelege</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.ipds.uni-kiel.de/kjk/pub_exx/kkbptw2003_1/Dfgabs_k.pdf">Forschungsprojekt „Lautmuster deutscher Spontansprache“</a> (PDF; 213&nbsp;kB)</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


.mw-parser-output .webarchiv-memento a{color:inherit}


/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20110811110326/http://www.sfs.uni-tuebingen.de/tuebads.shtml">Tübinger Baumbank "TüBa-D/S" auf der Webseite der Universität Tübingen</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 11. August 2011 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>)</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">
<a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20070528012405/http://www2.hu-berlin.de/compling/Lehrstuhl/Skripte/CL_2_Speech/">Vorlesungsskript zur Computerlinguistik, Universität Berlin</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 28. Mai 2007 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>)
(Mirror Page:
<a rel="nofollow" class="external text" href="http://kontext.fraunhofer.de/haenelt/eBooks/Kunze/SpeechSkript/Speech-1-34.pdf">S.&nbsp;1–34</a> (PDF; 480&nbsp;kB)
<a rel="nofollow" class="external text" href="http://kontext.fraunhofer.de/haenelt/eBooks/Kunze/SpeechSkript/Speech-35-44.pdf">S.&nbsp;35–44</a> (PDF; 806&nbsp;kB)
<a rel="nofollow" class="external text" href="http://kontext.fraunhofer.de/haenelt/eBooks/Kunze/SpeechSkript/Speech-45-63.pdf">S.&nbsp;45–63</a> (PDF; 402&nbsp;kB)
<a rel="nofollow" class="external text" href="http://kontext.fraunhofer.de/haenelt/eBooks/Kunze/SpeechSkript/Speech-64-97.pdf">S.&nbsp;64–97</a> (PDF; 1,3&nbsp;MB)
<a rel="nofollow" class="external text" href="http://kontext.fraunhofer.de/haenelt/eBooks/Kunze/SpeechSkript/Speech-98-121.pdf">S.&nbsp;98–121</a>; PDF; 370&nbsp;kB)</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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